Frauenpower stärkt die Freiwillige Feuerwehr

Couragierte und engagierte Frauen spielen eine wichtige Rolle im Einsatzdienst der Feuerwehr.

Frauen sind in der Feuerwehr immer noch unterrepräsentiert. Das trifft für die Berufsfeuerwehren als auch für die Freiwilligen Feuerwehren gleichermaßen zu. Doch der Anteil der weiblichen Angehörigen steigt. Jetzt wurde erstmals im Main-Tauber-Kreis eine Frau zur Abteilungskommandantin gewählt worden.
Mit Bianca Klingert steht erstmals eine Frau an der Spitze einer Freiwilligen Feuerwehr. Sie wurde zur Kommandantin der Abteilung Gerlachsheim gewählt und ist die erste weibliche Wehrführerin in der in der Geschichte der Feuerwehr Lauda-Königshofen. Nicht nur für Lauda-Königshofen ist das ein Novum, auch im Main-Tauber-Kreis übernimmt sie mit ihrem ehrenamtlichen Engagement eine Vorreiterrolle.
Es ist kein Zufall, dass Bianca Klingert jetzt Führungsverantwortung übernommen hat. Bereits seit Jahren engagiert sie sich als Jugendleiterin für den Nachwuchs. Das Engagement für die Feuerwehr wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Ihr Vater Edgar war 26 Jahre Kommandant der Abteilung Gerlachsheim und über lange Jahre stellv. Stadtkommandant. Bereits mit 11 Jahren ist sie in die Jugendfeuerwehr ihres Heimatortes eingetreten. In ihrer Zeit als aktive Feuerwehrfrau konnte sie umfangreiche Einsatzerfahrung sammeln und als Gruppenführerin ihre Führungskompetenz beweisen.

Auch ihrer Schwester Eva Klingert-Burger trägt ihren Alarmpiepser ständig bei sich. Sie ist jederzeit bereit, alles stehen und liegen zu lassen, wenn die Feuerwehr alarmiert wird. Sie leistet Ihren Dienst gleich in zwei Abteilungen und fährt sowohl die Einsätze in Gerlachsheim und Lauda mit. „Letztes Jahr hatte ich mehr als 50 Einsätze, da war alles dabei, vom Großbrand über Unwetter bis hin zum Verkehrsunfall“, berichtet Eva.

Mit Judith-Leonie Fleckenstein steht eine weitere junge, dynamische Frau im Übungs- und Einsatzdienst der Abteilung Lauda. Sie ist ein echtes Eigengewächs und über die Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr gekommen. Wie die anderen Kameradinnen hat sie alle Ausbildungslehrgänge mit Bravour abgelegt und steht auch als Atemschutzgeräteträgerin ihren männlichen Kameraden in nichts nach. Judith-Leonie kümmert sich als stellv. Jugendleiterin auch um den Feuerwehrnachwuchs der Abt. Lauda. „Wir sind eine echte Feuerwehrfamilie, zwei meiner Brüder sind ebenfalls aktive Feuerwehrmänner und meine zwei kleineren Schwestern sind fleißig in der Jugendfeuerwehr.“ Als ausgebildete Rettungssanitäterin ist sie zusätzlich für eine qualifizierte Erstversorgung bei Verkehrsunfällen und medizinischen Notfällen bestens gerüstet.

Daniela Jockel steigt nach einer Familienpause wieder in den aktiven Dienst ein. „Unsere Zwillinge sind jetzt so weit, dass ich mich wieder in den aktiven Dienst einbringen kann.“ Das wird sicherlich nicht immer ganz einfach sein, weil ihr Mann Klaus Kommandant der Abteilung Lauda ist. „Gleichzeitig können wir nicht wegrennen, wenn der Piepser geht, ganz klar, da hat Klaus den Vortritt, er ist ja der Kommandant“, erklärt Daniela. „Aber bei Übungen wechseln wir uns ab, da muss er dann von Fall zu Fall die Kinder hüten.“

Schon vor der Geburt ihrer Kinder hat Daniela alle Ausbildungslehrgänge für den aktiven Feuerwehrdienst absolviert. Sie ist zusätzlich auch im Besitz des LKW-Führerscheines und als ausgebildete Maschinistin befähigt, die schweren Feuerwehrfahrzeuge zu fahren und zu bedienen.

Seit mehr fünfzehn Jahren ist Carolin Kemmer aktives Mitglied in der Feuerwehr in Oberbalbach. „Durch meine Arbeitsstelle in Giebelstadt bin ich tagsüber an den Werktagen nicht da,“ bedauert sie „aber in meiner Freizeit ist mein Alarmpiepser immer dabei.“ Bei Ihr waren es das soziale Umfeld, ihre Freunde und Kumpels, die sie animiert haben in die Feuerwehr einzutreten.

Auf dem besten Weg vom Powergirl zur Feuerwehrfrau sind Amelie und Ute. Sie stehen stellvertretend für die 16 anderen Mädchen in der Jugendfeuerwehr von Lauda-Königshofen. Frühzeitig werden sie von erfahrenen Ausbildern und Betreuern an die spätere aktive Dienstzeit herangeführt.

„Eine Mimose darf man nicht sein, wenn man sich als Feuerwehrfrau unter den jungen Männern bewegt“, da sind sich die Frauen einig, „wenn mal ein blöder Spruch kommt, dann gibt’s schon die passende Antwort von uns.“ Aber schlechte Erfahrungen in dieser  Männerwelt haben sie noch nie gemacht. Sie fühlen sich voll akzeptiert und integriert. Eine Sonderrolle lehnen sie unisono ab. „Wir machen ganz normalen Feuerwehrdienst, wie die Männer auch.“

Für Jürgen Segeritz, den Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Lauda-Königshofen, sind Frauen in der Feuerwehr nicht mehr wegzudenken. „Das Rollenverständnis von Frauen und Männern wandelt sich in unserer Gesellschaft. So selbstverständlich wie Männer Elternzeit für ihre Kinder nehmen, so selbstverständlich können auch Frauen Dienst in der Feuerwehr machen. Sie werden in Zukunft unverzichtbar sein.“
 
Weitere Informationen:

Mädchen und Jungs können mit 10 Jahren in die Jugendfeuerwehr eintreten. Mit 18 können sie dann in die Einsatzabteilung übernommen.

Quereinsteigerinnen sind jederzeit in der Feuerwehr willkommen. Nach der Ausbildung zur Truppfrau und Truppführerin werden sie in die Einsatzabteilung integriert.
Nach weiterführenden Lehrgängen zur Atemschutzgeräteträgerin ist jede Feuerwehrwehrfrau gleichberechtigtes Mitglied in der Einsatzabteilung.
Führungslehrgänge befähigen zur Übernahme von Führungsverantwortung in der Feuerwehr. Sie stehen Frauen und Männern gleichermaßen offen.

Die Grundausbildung findet in Lauda-Königshofen statt, Führungslehrgänge an der Landesfeuerwehrschule in Bruchsal.

Weitere Infos auf der Website: www.ff-lk.de
 
 Text und Bilder: Jürgen Schmitt

 

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