Comics als Mahnmal für die Schrecken des Ersten Weltkriegs

Zwei Schülerinnengruppen aus dem Martin-Schleyer-Gymnasium in Lauda-Königshofen haben in diesem Jahr mit großem Erfolg an einem deutsch-französischen Comic-Wettbewerb teilgenommen.

Die Zehntklässlerinnen setzten sich auf kreative Weise mit dem Gräuel des Ersten Weltkriegs, dessen Ende sich am 11. November zum 100. Mal jährte, auseinander. Für ihre Verdienste gegen das Vergessen wurden sie vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. jeweils mit einem Preis ausgezeichnet. Glückwünsche gab es nun auch von Bürgermeister Thomas Maertens, der die Pädagogik am Laudaer Gymnasium erneut als wegweisend lobte. Im Rahmen einer Feierstunde überbrachte außerdem ein Vertreter des Volksbundes seine Anerkennung.
Erst am vergangenen Wochenende nahmen die Gewinnerinnen der Jahrgangsstufe 10 an einem binationalen Preisträgerseminar teil. Im Rahmen einer Privataudienz wurden beiden Schülergruppen des Martin-Schleyer-Gymnasiums vom deutschen Botschafter in Paris eine Urkunde und ein Pokal überreicht. Der Höhepunkt der Reise war sicherlich die Teilnahme an der Gedenkfeier zum Volkstrauertag des deutschen Bundestages in Berlin, bei der u. a. der französische Staatspräsident Macron und der deutsche Bundespräsident Steinmeier mitwirkten. Daneben gab es viel Zeit zum gemeinsamen Austausch zwischen den deutschen und den französischen Teilnehmern des Wettbewerbs.

Deutsch-französischer Sonderpreis
Anna-Berit Banzer, Laura Stadie, Franziska Pflüger und Tabea Reiter (alle Klasse 10 a) beschreiben in ihrem Comic „Zu den Waffen“ einen Soldaten, der sich zwischen Kriegsbegeisterung und Hoffnungslosigkeit wiederfindet. Der Comic ist in Schwarz-Weiß-Tönen gehalten, was die Schrecken der Zeit unterstreicht. Damit sich die Leser ganz in den Protagonisten hineinversetzen können, wählten die Gymnasiastinnen eine Tagebuchform. Die Hoffnungslosigkeit des Soldaten mündet in seinem Selbstmord, der die Ausweglosigkeit seiner Situation verdeutlicht. Ungefähr fünf Monate hat die künstlerische Ausarbeitung gedauert. Sie begann Mitte Januar als Gruppenarbeit mit der Recherche und der Suche nach einer spannend erzählbaren Geschichte, gefolgt vom Anfertigen der ersten Skizzen, dem Zeichnen der groben Vorlagen und dem Schreiben der Textpassagen. Mit dem Einfärben wurde der Comic schließlich im Mai abgeschlossen. Die Geschichte wurde mit dem deutsch-französischen Sonderpreis gekürt.

Bemerkenswert ist: Die Schülerinnen haben den Comic vollständig in Eigenregie erstellt. Eine der Teilnehmerinnen, Tabea Reiter, erinnert sich: „Wir haben uns für unsere Geschichte entschieden, da diese auf der Realität basiert und es sich um eine persönliche Geschichte meines Uropas handelt. Durch mündliche Überlieferung ist die Erzählung in unserer Familie erhalten geblieben. Wir haben die Geschichte auch deshalb gewählt, da sie der perfekte Beleg für das Leiden und die Trauer in den harten Zeiten des Ersten Weltkriegs darstellt. Sie hat uns gezeigt, was damals in den Menschen vorging und wie grausam dieser Abschnitt ihres Lebens für sie gewesen sein muss. Zudem hat dieses Projekt uns näher in die Thematik des Ersten Weltkrieges geführt.“

Düstere Farben stehen für Hoffnungslosigkeit
Der zweite Gewinnerbeitrag aus dem Martin-Schleyer-Gymnasium stammt von Valentina Appel, Sophia Endres, Silja Michelberger, Theresa Stelter und Amelie Wolz. Er wurde beim ersten deutsch-französischen Comicwettbewerb mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Der Comic spiegelt das Leben eines tapferen Soldaten wieder, der sich durch die Nachricht über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verpflichtet fühlt, seinem Vaterland zu dienen. Die anhaltenden Wirren des Krieges lassen den Kämpfer schließlich resignieren, als er keinen Sinn und kein Ende mehr sieht.

Die Teilnehmer berichten: „Uns war bei der Bearbeitung des Comics wichtig, diese schreckliche Zeit mit Hilfe von Farben zu unterstützen. So ziehen sich über den ganzen Comic die Farben Schwarz- Grau und Weiß. Da wir die Soldaten dieser Zeit besser verstehen wollten, haben wir versucht, uns in einen Soldaten hineinzuversetzen. Der Protagonist steht am Ende für eine enorme Zahl verzweifelter und hoffnungsloser Soldaten, die ihr Leben für das Land opferten.“

Bürgermeister Thomas Maertens würdigte die prämierten Schüler aus dem Gymnasium am Dienstagvormittag für ihren Einsatz gegen das Vergessen. Dass diese Erinnerungskultur nun sogar mit einer Fahrt in die Privatresidenz des deutschen Botschafters in Paris belohnt wurde, bezeichnet das Stadtoberhaupt als denkwürdigen Moment. Sein Dank gilt dem betreuenden Fachlehrer Stefan Nagelstutz für die Projektbegleitung und Direktor Dr. Jürgen Gernert für die beständige Innovationskraft des Martin-Schleyer-Gymnasiums. Mit außergewöhnlichen Ideen wie diesen unterstreiche die Schule ihre Vorreiterrolle.

Der Erste Weltkrieg stehe, so der Schulleiter, als Sinnbild für die deutsch-französische Konfrontation in der Vergangenheit mit all ihren schrecklichen Auswirkungen und Spuren bis in unsere Zeit. Sich damit gemeinsam und länderübergreifen auseinanderzusetzen, eröffne gegenseitiges Verständnis, das die deutsch-französische Partnerschaft heute als Motor für die politische Gestaltung Europas begünstige.

Als die Stadt Lauda-Königshofen von den beiden Comics erfuhr, stand sofort fest: Alle Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen ab Klasse 9 sollen den gedruckten Comic als Unterrichtsmaterial erhalten. Am Dienstag war es nun endlich so weit: Bildungsreferent Sebastian Steinebach vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge überbrachte neben seiner persönlichen Anerkennung auch 600 Comichefte mit den Siegerbeiträgen des Wettbewerbs, darunter dem zweiten Platz des Martin-Schleyer-Gymnasiums und dem ersten Platz einer Realschule aus Leimen.

Die Geschichten werden ab sofort auch an der Josef-Schmitt-Realschule, an der Gemeinschaftsschule und am SBBZ genutzt, um den Ersten Weltkrieg zu thematisieren. Mit der Übergabe ist der Aufruf an alle Schüler und Lehrer verbunden, sich weiterhin nach bestmöglichen Kräften dafür einzusetzen, dass sich die Schrecken des Krieges nie mehr wiederholen. stv

Im nächsten Jahr soll der zweite deutsch-französische Comicwettbewerb ausgetragen werden, diesmal zum Thema „Den Schrecken überwinden – Wiederaufbau und Neuanfang“. Nähere Informationen finden sich auf www.volksbund.de. Bei Fragen kann man sich auch mit einer E-Mail an schule@volksbund.de wenden.

Einige Restexemplare des Comics sind noch verfügbar und können im Rathaus von Lauda (Zimmer 215) kostenlos abgeholt werden.

 

Ihr Ansprechpartner

Christoph Kraus
Telefon +49 (93 43) 501-51 30
Fax +49 (93 43) 501-9 51 30